• Elektroauto laden, Strom abrechnen

Elektroauto laden, Strom abrechnen

28.02.2020 THOMAS AMMANN Architekt FH, Ressortleiter Energie- und Bautechnik, HEV Schweiz

E-Mobility – Mit der Wahl der Elektroladestation taucht häufig auch die Frage nach einem geeigneten Abrechnungssystem für die Stromkosten auf – gerade bei Mietliegenschaften und Stockwerkeigentum. Wie soll der Strom abgerechnet werden? Verschiedene Möglichkeiten im Überblick.

Autos müssen regelmässig an die Zapfsäule. Das ist bei Elektrofahrzeugen nicht anders als bei Autos mit Verbrennungsmotor. Der Ladevorgang beim Elektrofahrzeug dauert zwar etwas länger, dafür kann die Zeit anderweitig genutzt werden, sei es für eine Kaffeepause oder die Wochenendeinkäufe.

In der Schweiz gibt es inzwischen über 4000 öffentliche Ladestationen. Diese befinden sich auf Rastplätzen an grösseren Fernverkehrsrouten, bei Einkaufszentren oder auf öffentlichen Parkplätzen in Tourismusgebieten. Verschiedene Anbieter sind daran, das Ladestellennetz weiter auszubauen. Eine Übersicht öffentlicher Ladestationen der grössten Ladenetzbetreiber findet sich auf dem Portal der Landestopografie unter www.ich-tanke-strom.ch. In Echtzeit werden die Verfügbarkeit der Ladestation und die Ladekapazität in Form des Steckertyps angezeigt. 

Die meisten dieser Ladestationen können mittels Badge, einer Karte oder über eine App freigeschaltet werden. Die Ladekosten werden nach bezogener Leistung und bei Schnellladestationen zusätzlich zu einem Zeittarif verrechnet. Je nach Produkt fallen Freischaltgebühren an, oder es muss ein Jahresabo gelöst werden.

Home, sweet home – auch beim Laden

Die weitaus meisten Ladezyklen finden zu Hause oder am Arbeitsplatz statt. Auch hier sollen die Ladekosten verursachergerecht verrechnet werden. Je nach Anzahl Ladestationen und Besitzverhältnissen kommen verschiedene Systeme infrage:

Direkt: Die Ladestationen sind direkt an die Wohnungszähler angeschlossen, und die Stromkosten werden vom Elektrizitätswerk automatisch dem jeweiligen Eigentümer oder Mieter belastet. Für eine kleinere Anzahl angeschlossener Ladestationen ist dies die einfachste und günstigste Methode. Ist aufgrund der Anzahl Ladestationen ein Lastmanagement nötig, ergeben sich weitere Optionen:

Manuell auslesen: Einmal im Jahr werden die in der Ladestation eingebauten Zähler ausgelesen und der bezogene Strom dem Mieter oder Eigentümer in Rechnung gestellt. Bei einer geringen Anzahl Ladestationen ist der Aufwand überschaubar.

Halbautomatisch: Der Lieferant der Ladestation oder ein Drittanbieter stellt ein Abrechnungs- und Zugangssystem zur Verfügung. Jeder Mieter besitzt eine Karte oder einen Badge, mit denen er die Ladestation freischalten kann. Einmal im Jahr erhält der Vermieter eine Übersicht der Strombezüge und kann diese seinen Mietern weiterverrechnen. Diese Dienstleistung wird mit einer Jahresgebühr pro Karte verrechnet.

Vollautomatisch: Die bezogene Energie wird direkt durch den Drittanbieter über die Kreditkarte oder ein Prepaid-Konto des Mieters abgerechnet. Dem Eigentümer/Vermieter werden die Stromkosten später durch den Drittanbieter gutgeschrieben. Einzelne dieser Systeme funktionieren auch bei öffentlichen Ladestationen. So kann mit der Karte oder dem Badge teilweise auch unterwegs geladen werden. Auch hier fällt eine Jahresgebühr an. Insbesondere für Mieter, die ihr Auto regelmässig unterwegs laden, fallen diese Kosten nicht ins Gewicht, da mit dem Jahresabo die Freischaltkosten bei den externen Ladestationen entfallen.

Qual der Wahl

Welches Abrechnungssystem das passende ist, lässt sich nur individuell feststellen. Sinnvollerweise schaut man bereits bei der Evaluation der Ladestation die spätere Abrechnungsmöglichkeit für die Strombezüge an. Die meisten Ladestationen-Hersteller bieten ein Abrechnungssystem an. Alternativ kann eine Lösung mit einem Drittanbieter anvisiert werden – meist sind es Anbieter öffentlicher Ladeinfrastrukturen. Diese können auch Heimladestationen in ihr System integrieren. Autohersteller aus dem Premium-Segment bieten auch gerne ihre eigenen Kartensysteme an.

Da die Ansprüche der einzelnen Mieter und Stockwerkeigentümer häufig sehr unterschiedlich sind, sollten Vermieter und Stockwerkeigentümergemeinschaften darauf achten, welche Variante die praktikabelste für ihre Situation ist.

 

E-Irrtum Nr. 1: Das Laden dauert ewig ...

Ganz so schnell wie der Tank eines Verbrenners ist die Batterie eines Elektroautos nicht voll. Das ist aber nicht weiter tragisch: Denn das E-Fahrzeug lädt, genau wie ein Handy, ganz ohne Aufsicht genauso gut. Das heisst: Anders als beim Verbrenner muss man die Zeit beim Tanken nicht beim Fahrzeug und im Benzin-Gestank verbringen. Einen Stromer muss man zudem gar nicht so häufig schnell aufladen, wie man meint. 

Im Schnitt fahren Schweizer pro Tag weniger als 40 Kilometer weit. Und weil man das Auto «betankt», während es sowieso steht – daheim oder auf dem Parkplatz am Arbeitsort –, kann man die Reise jederzeit mit gefülltem Speicher antreten. Muss das Auto auf langen Strecken doch mal möglichst schnell aufgeladen werden, gibt es auch dafür eine Lösung – zum Beispiel Ionity. Das Joint Venture führender Automobilkonzerne ermöglicht dank High-Power-Charging-Stationen Langstreckenfahrten entlang der europäischen Hauptverkehrsachsen mit rekordverdächtig kurzen Ladepausen. Die Ionity-Säulen liefern Elektroautos Strom mit bis zu 350 kW. Dies entspricht einem Reichweitengewinn von weit über 1000 Kilometern pro Stunde. Ein Audi e-tron beispielsweise lädt an einer Schnellladesäule in nur zehn Minuten Strom für bis zu 100 Kilometer.

Das Ionity-Netz soll 2020 bereits 400 Stationen umfassen. In der Schweiz gibt es sie an den Autobahnraststätten Bellinzona Nord, Bellinzona Süd, Gotthard Süd, Grauholz, Heidiland, Kemptthal und Neuenkirch. Gerade in der Schweiz gibt es weitere sehr dichte Schnellladenetze. Zum Beispiel das Netz von GOFAST, das Lademöglichkeiten mit bis zu 150 kW Leistung bietet und Ende 2019 schon rund 45 Standorte abdeckte. Dazu gehören die erste Schnellladestation mit Solardach in Schenkon LU, eine Strom-Tankstelle in St. Moritz oder diverse Schnell-Lademöglichkeiten an Autobahnraststätten, etwa in Würenlos AG: Dort stehen gleich neun 150-kW-Stationen.

Text e-hub.swiss

WEITERE INFOS

Eine Übersicht über die öffentlichen Ladestationen der grössten Ladenetzbetreiber finden Sie unter:

Hilfestellung bei der Suche nach der passenden Ladelösung bieten u.a. folgende Websites:

WEITERE E-IRRTÜMER

Weitere Mythen und E-Irrtümer rund um Elektroautos sowie Wissenswertes über Elektromobilität, Reichweite und Nachhaltigkeit finden Sie auf der Plattform «e-hub» unter dem Link: https://e-hub.swiss/e-hub/

Öffentliche Stromtankstelle
Öffentliche Stromtankstelle. BILD HEV