• Kochen mit Köpfchen

Kochen mit Köpfchen

08.04.2020 MICHAEL STAUB, Journalist BR, Kriens

Die smarte Küche wird handlicher. Zu Beginn stellten die Hersteller vor allem vernetzte Kühlschränke oder Backöfen vor. Heute erhalten auch Kleingeräte eine Extraportion Intelligenz – so etwa Kaffeemaschinen, Smoothie-Mixer oder der gute alte Grill.

Die Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas ist eine der wichtigsten Messen für das Smarthome. Jahr für Jahr werden an der CES neue Produkte gezeigt, die das Leben einfacher, angenehmer oder eben «smarter» machen sollen. Klassische Küchengeräte, also Backofen, Kühlschrank, Steamer oder Geschirrspüler können immer mehr miteinander vernetzt werden. Die Induktions- Oberflächen verlieren ihre festen Kochfeld-Grenzen: Geheizt wird dort, wo effektiv eine Pfanne steht. Mehr Flexibilität soll es auch beim Grünzeug geben. So stellten sowohl Samsung, LG wie auch Agrilution (Miele) einen Kühlschrank mit integriertem Kräutergärtchen vor. Beleuchtung, Wasserzufuhr und Düngung werden aufs Genaueste gesteuert, damit man rund ums Jahr frischen Basilikum oder Schnittlauch ernten kann. Doch einiges interessanter scheinen in diesem Jahr die Küchenkleingeräte.

Kaffee oder Smoothie

Ein Kaffee ist ein guter Start in den Tag. Wer mit den handelsüblichen Kapselsystemen unzufrieden ist, aber den Reinigungsaufwand von Siebträgermaschine und Kaffeemühle scheut, wird vielleicht bei «Spinn» fündig. Der mittels Crowdfunding entwickelte Kaffeevollautomat wird mit frisch gerösteten Bohnen bestückt und liefert im Handumdrehen Espresso oder Lungo. Mit einem zusätzlichen Aufschäumer können auch Milchmischgetränke wie Cappuccino oder Macchiato produziert werden. Mit der Spinn-App kann nahezu jedes Detail des Brühprozesses beeinflusst werden, um aus den verschiedenen Kaffeeröstungen das Maximum herauszukitzeln. Das Herzstück ist der «Spinner», ein rotierender Zylinder. Anders als bei herkömmlichen Espressomaschinen wird also keine Pumpe, sondern die Zentrifugalkraft genutzt, um das Koffein aus den Bohnen zu extrahieren. Besonderen Wert legt die Firma auf die Zusammenarbeit mit über 400 Kleinröstereien und Baristas. Deren Empfehlungen lassen sich auch automatisch übernehmen. Auf Wunsch bestellt die Kaffeemaschine rechtzeitig frische Bohnen, und die getrockneten Rückstände sollen problemlos kompostiert werden können. 

Rösten, mahlen und perfekt brühen – das verspricht die Kaffeemaschine «Spinn».

Wer Smoothies lieber mag als Kaffee, kann sich «Millo» näher anschauen. Dieser Blender wird von einem Start-up aus Litauen produziert. Dank eines neu entwickelten bürstenlosen Elektromotors soll das Gerät dreimal leiser sein als normale Getränkemixer. Das reduzierte Design und der eingebaute Akku, der für 10 Smoothies reichen soll, machen «Millo» sehr transportabel. So kann man auch auf dem Balkon oder draussen auf seiner Lieblingsbank mixen. Das Gerät besitzt eine Touch-Oberfläche anstelle von Knöpfen und erkennt automatisch, wie lange die verschiedenen Zutaten gemixt werden sollen. Schlau gelöst ist auch die Abwasch-Frage: Statt den fertigen Smoothie vom Mixbecher in einen Trinkbecher umzuschütten, wird einfach ein extra dichter Deckel auf den Mixbecher geschraubt.

Schneiden, dämpfen, dünsten

Universal-Küchenmaschinen gehören seit Jahrzehnten zum elektronischen Personal. Nun wird die Tradition von Kenwood und Thermomix von «Julia» fortgeschrieben. Das Gerät des US-Herstellers CookingPal soll das Kochen angenehmer machen und seinen Benutzern fast alle Arbeiten abnehmen. Zwiebeln schneiden, Zutaten abwägen, Gemüse dünsten, Teig kneten oder Brot backen – alle diese Funktionen will «Julia» aus einer Hand bieten. Im Prinzip kann diese Küchenmaschine über das Smartphone gesteuert werden. Doch eigentlich ist ein spezielles Tablet dafür gedacht, das «Smart Kitchen Hub Tablet». Mit einer Bildschirmdiagonale von 9 Zoll (etwa 22 Zentimeter) ist es gross genug sowie dank Staubund Spritzwasserschutz auch robust genug für den Einsatz in der Küche. Weil man mit nassen oder schmutzigen Fingern nur ungern einen Touchscreen bedient, gibt es als praxistaugliches Steuerelement einen grossen Drehknopf. Alternativ sind auch die Sprachsteuerungen von Amazon oder Google möglich. Die «Julia»-Rezeptdatenbank umfasst derzeit etwa 500 Rezepte, die meisten bieten Videos und Schritt-für-Schritt- Anweisungen. Der Rezeptbestand soll fortlaufend wachsen. Wie bei vielen Rezept-Apps üblich, kann man auch angeben, was im Kühlschrank gerade vorhanden ist und erhält anschliessend Vorschläge für Rezepte mit diesen Zutaten.

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«Millo» will beweisen, dass Standmixer auch leise und schön sein können.

Grillieren mit Weber

Zahlreiche Männer pflegen das Grillieren als Geheimwissenschaft. Die Frage, welches Stück wann und allenfalls wie oft gewendet wird, behandeln sie ebenso ernsthaft wie verschwiegen. Nun könnte der technische Fortschritt Licht ins Dunkel bringen. Der «Weber Connect Smart Grilling Hub» ist ein kleines Kästchen mit zwei Temperaturfühlern. Einer misst die Umgebungs-, einer die Fleischtemperatur. Der Hub wird via Magnet am Grill befestigt und sendet seine Daten drahtlos auf das Smartphone. Nachdem in der Grill-App die gewünschte Garstufe ausgewählt wurde, gibt es eine Schritt-für-Schritt- Anleitung, eine Angabe der geschätzten Grillzeit und einen Garstufen- Countdown. Verfügbar ist die App derzeit nur für Geräte mit iOS oder Android, die Technik an sich funktioniert jedoch mit sämtlichen Grills. Noch für dieses Jahr ist geplant, eine Sprachsteuerung über Amazon Alexa zu integrieren. Das Grillieren wird also immer weniger Zeit und permanente Beobachtung verlangen – vielleicht haben die solcherart entlasteten Männer nun mehr Zeit, um beim Zubereiten der Beilagen oder beim Tischdecken zu helfen.

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Der «Smart Grilling Hub» ermittelt Fleisch- und Aussentemperatur, damit jedes Stück genau richtig gegart wird.

Bezugsquellen

Nicht alle vorgestellten Produkte sind im Schweizer Fachhandel erhältlich. Bei einem Direktimport aus den USA müssen Porto, Verzollungsgebühren und Mehrwertsteuer zum Verkaufspreis dazugerechnet werden.

  • Der Kaffee-Vollautomat «Spinn» stammt aus den USA. Das Modell «Original» kostet USD 800.–, das «Pro»-Modell mit viel Zubehör gibt es für USD 1300.–. www.spinn.com 
  • Der Blender «Millo» kann für EUR 400.– direkt beim Hersteller bezogen werden. Ein Zusatzbecher kostet EUR 19.–, ein «Smart Lid» EUR 49–. www.getmillo.com 
  • Die Küchenmaschine «Julia» soll im Herbst 2020 auf den Markt kommen und ungefähr USD 1000.– kosten. Vertrieben wird sie direkt vom Hersteller: www.cookingpal.com 
  • Der «Smart Grilling Hub» von Weber ist in Baumärkten oder Discountern für etwa CHF 170.– erhältlich, einzelne Schweizer Webshops führen ihn etwas günstiger. www.weber.com