• Solaranlage und Elektroauto – das passt perfekt

Solaranlage und Elektroauto – das passt perfekt

06.08.2020 REMO BÜRGI, Faktor Journalisten

E-Mobility – Woher soll der Strom kommen, wenn die Schweiz dereinst ihre AKWs abschaltet und auf fossile Treibstoffe verzichten will? Eine Lösung steht auf dem Dach: Photovoltaikanlagen eignen sich bestens zum Aufladen von Elektroautos.

Die Mobilität in der Schweiz soll elektrifiziert werden. Statt Benzin oder Diesel bringt uns zukünftig also ein Elektromotor von A nach B. Um dessen Batterie aufzuladen, braucht es Strom – und der muss irgendwoher kommen. Gleichzeitig werden die AKWs nach und nach abgeschaltet, sie können den Mehrbedarf daher längerfristig nicht abdecken. Ein Widerspruch? Nicht unbedingt, denn in Zukunft dürfte immer mehr Strom dezentral produziert werden. Viele kleine Produzenten statt einiger grosser, lautet das Motto. Wer beispielsweise die hauseigene Solaranlage nutzt, um die Batterie seines Elektroautos zu laden, schlägt gleich zwei Fliegen mit einer Klappe.

Nachhaltig und rentabel

Damit ein Elektroauto auch tatsächlich nachhaltig ist, muss sein Strombedarf mit erneuerbar produzierter Elektrizität gedeckt werden. Importierter Kohlestrom oder solcher aus einem AKW können deshalb nicht die Lösung sein. Strom von der Photovoltaikanlage auf dem eigenen Dach hingegen ist nachhaltig und eignet sich daher für das Aufladen von Elektrofahrzeugen. Umgekehrt profitiert aber auch die Eigentümerschaft einer Photovoltaikanlage davon, wenn der Solarstrom ein E-Auto «auftankt». Anlagen mit einer Leistung von weniger als 100kW erhalten heute keine Einspeisevergütung mehr, sondern eine Einmalvergütung in Höhe von maximal 30 Prozent der Investitionskosten. Mit dem Überschussstrom lässt sich daher kein Geld mehr verdienen. Deshalb ist es für den wirtschaftlichen Betrieb einer Photovoltaikanlage entscheidend, dass möglichst viel der produzierten Elektrizität vor Ort verbraucht wird. Ein Elektroauto kann also helfen, den Eigenverbrauch zu erhöhen und so die Photovoltaikanlage rentabler zu betreiben.

Ladestation bringt Mehrwert

Damit diese Win-win-Situation zustande kommt, braucht es eine passende Infrastruktur. Grundsätzlich ist es heute sinnvoll, beim Neuoder Umbau eines Gebäudes eine Ladestation für Elektrofahrzeuge zu installieren oder diese Installation zumindest vorzubereiten (Leerrohre). Da E-Autos zu Hause in der Regel über einen längeren Zeitraum (meist über Nacht) aufgeladen werden, eignet sich eine auf das langsame Laden ausgerichtete Infrastruktur. Für die Planung und Ausführung dieser Arbeiten sollte eine Fachperson beigezogen werden.

Wenn in einem Mehrfamilienhaus eine der Parteien eine Ladestation einrichten will, sollte die Eigentümerschaft prüfen, ob man dabei auch gleich die Ladeinfrastruktur für weitere Parkplätze vorbereiten kann und will. Dass eine Ladestation für das Elektrofahrzeug verfügbar ist, wird für Mieter ein immer wichtigeres Kriterium bei der Wohnungssuche. Das beweist der Blick auf die Fahrzeug- Zulassungen: 2019 wurden mehr als doppelt so viele Elektrofahrzeuge in den Verkehr gesetzt wie noch 2018. Eine vorhandene Ladeinfrastruktur dürfte also in Zukunft den Wert einer Immobilie respektive die Attraktivität einer Wohnung erhöhen.

Richtige Grösse wählen

Um das E-Auto mit eigenem Solarstrom zu laden, muss die Photovoltaikanlage richtig dimensioniert sein. Eine solche Anlage deckt ja in erster Linie den Bedarf des Haushalts, allenfalls inklusive Wärmepumpe und Warmwasserspeicher. Damit die Anlage zusätzlich auch das Elektroauto laden kann, muss ihre Leistung grösser sein als der Verbrauch des Haushalts. Der Branchenverband «Swiss eMobility» geht davon aus, dass für ein E-Auto mit einer Fahrleistung von 10 000 Kilometern pro Jahr eine Photovoltaikanlage mit einer Leistung von 8kW benötigt wird. Dafür ist eine Fläche von rund 50 Quadratmetern mit Photovoltaikmodulen zu belegen. Bei einem durchschnittlichen Einfamilienhaus sollte dafür ausreichend Dach- oder Fassadenfläche vorhanden sein. Natürlich ist die detaillierte Berechnung der Anlagengrösse Aufgabe eines Fachplaners.

Speicherung sinnvoll?

Für ein perfektes Zusammenspiel von Solaranlage und Elektrofahrzeug ist es zudem sinnvoll, ein Lastmanagement zu installieren. Dieses System regelt, wann und wofür der Sonnenstrom im Haushalt eingesetzt wird. Konkret sorgt es dafür, dass die Batterie des E-Autos dann geladen wird, wenn überschüssiger Strom vorhanden ist. Ist dagegen weniger oder kein Strom verfügbar, reduziert das System die Aufladung oder stellt sie vorübergehend ein. Dadurch steht anderen Geräten und Installationen jederzeit ausreichend Energie zur Verfügung. 

Ein weiterer wichtiger Aspekt betrifft die Speicherung des produzierten Solarstroms. Wer mit dem E-Auto tagsüber zur Arbeit fährt, kann nicht gleichzeitig die zu Hause produzierte Elektrizität zum Aufladen nutzen. Daher kann es sinnvoll sein, tagsüber den Strom stationär zu speichern und damit über Nacht das Elektromobil aufzuladen. Da solche Speicher aber noch ziemlich teuer sind, muss die Investition gut durchdacht sein. Sie lohnt sich meist nur, wenn mit dem E-Auto grosse Strecken zurückgelegt werden. Sind nur kurze Wege zu fahren, kann eine Aufladung am Wochenende für die kommende Woche ausreichen.