• Zürich liebt Provisorien

Zürich liebt Provisorien

25.02.2019 Albert Leiser

Bis jetzt hat meines Wissens niemand angeregt, dass sie unter Denkmalschutz gestellt wird, sonst sind aber Parallelen zwischen der Rosengartenstrasse und dem Globusprovisorium nicht von der Hand zu weisen. Zürich liebt Provisorien, ist man geneigt zu sagen.

Es sind bald drei Jahre her, dass ich an dieser Stelle über die schon damals über vierzig-jährige leidvolle Geschichte der Rosengartenstrasse schrieb. Leidvoll, weil die Rosengartenstrasse – schon der Name lässt es erahnen – nie geeignet war für die Funktion, zu welcher sie 1972 verdonnert wurde. Lärm, Dreck und Gestank von täglich gegen 60’000 Fahrzeugen passen wohl kaum in einen Rosengarten. Leidvoll auch, weil dieser unzumutbare Zustand, der eigentlich nur als vorübergehende Notlösung gedacht war, nun schon 46 Jahre dauert. Zugegeben, die Verhältnisse sind nicht ganz einfach. Doch nun liegt ein Projekt auf dem Tisch, welches eine Gesamtlösung darstellt und daher nur als Gesamtpaket zu haben ist. 

Es ist dabei in Erinnerung zu rufen, dass die Stadtzürcher Stimmbürger 2010 die linke Initiative, welche nur ein Rosengartentram vorsah, ablehnte. Und 2017 verankerte die Bevölkerung des Kantons Zürich die Ansprüche des motorisierten Privatverkehrs in der Kantonsverfassung mit einem deutlichen JA zu einem leistungsfähigen Strassen- und Gesamtverkehrsnetz. Das Projekt bietet Vieles: Verbannung des Durchgangverkehrs in einen Tunnel, oberirdische Verkehrsberuhigung und eine neue Tramlinie. Diese würde das Tramnetz vervollständigen und damit den öffentlichen Verkehr stärken. 

Vor allem würde das Quartier aufgewertet. Die Wipkinger könnten wieder frei atmen. In einer Umfrage des Wipkinger Quartiervereins sprachen sich die Anwohnerinnen und Anwohner denn auch deutlich für einen Tunnel aus. Man darf davon ausgehen, dass sie als Direktbetroffene wissen, was sie tun. Die Linke macht aber auf Fundamentalopposition und mutet den Anwohnern weiterhin Lärm, Dreck und Gestank zu. Ihr Argument: Die erhöhte Lebensqualität könnte zu höheren Mieten führen. Zynischer geht kaum. Und die Grünen? Was kümmert sie der öffentliche Verkehr. Hauptsache, es kommt kein Tunnel.